Sidrit, oder auch einfach Sidi ist Sänger & Musiker aus Wien und am glücklichsten, wenn er an seinem Klavier sitzt. Musik ist für ihn keine große Inszenierung, sondern sein Weg, all die Gefühle – die schönen wie die schmerzhaften – irgendwie zu sortieren. Wer seine Songs hört, bekommt ihn immer komplett ungefiltert.
Auch die Redaktion von STORI war vom Song, aber auch von Sidrit sehr begeistert. Was lag näher, als den Künstler um ein Interview zu bitten. Unserem Wunsch kam er sehr gerne nach:

Der nationale Vorentscheid für den ESC „Vienna Calling Wer singt für Österreich?“ ist nun abgeschlossen. Wie geht es dir persönlich nach diesem intensiven Wettbewerb, und wie hast du die Zeit unmittelbar nach der Show erlebt?
Es war ein ziemlicher Wahnsinn in den letzten Wochen. Erst war ich draußen, dann bin ich für Tamara Flores nachgerückt und stand auf einmal im Finale. Das ging so schnell, da kommst du gedanklich fast nicht hinterher. Als die Show vorbei war und dieser ganze Druck abfiel, war das komplett surreal. Ich habe danach erstmal meine Familie angerufen, um das alles irgendwie zu realisieren. Jetzt gerade bin ich einfach nur extrem dankbar, dass ich diese verrückte Reise mitmachen durfte.

Dein Song „Wenn ich rauche“ hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Wie ist der Titel entstanden, sowohl inhaltlich als auch musikalisch?
Der Song ist direkt in der Zeit nach meiner Trennung entstanden. Ich habe mich damals mit David Slomo und Thomas Kröss in einem Haus in Nitra einquartiert. Wir wollten einfach ein Wochenende lang raus, Musik machen, den Kopf freikriegen. Da ist „Wenn ich rauche“ passiert. Wir haben es musikalisch total simpel gelassen. Thematisch geht es genau um diesen Kontrast: Tagsüber funktionierst du, gehst arbeiten, lenkst dich ab. Aber wenn du abends draußen stehst, dir eine anrauchst und es plötzlich still wird, dann holt dich alles wieder ein.
Was hat dich dazu bewegt, „Wenn ich rauche“ beim Vorentscheid für den ESC einzureichen? War das von Anfang an als möglicher Titel für den Wettbewerb gedacht?
Null. An diesem Wochenende in Nitra hatten wir den ESC nicht mal im Hinterkopf. Den Song Contest verbindet man ja eher mit lauten Nummern, Tänzern, viel Glitzer. Aber genau deshalb dachte ich irgendwann: Warum probieren wir es nicht einfach mal mit Mut zur Lücke? Einfach nur ein Typ am Klavier und ein Song, der sich komplett verletzlich macht. Dass das am Ende echt fürs Finale gereicht hat, hat mir gezeigt, dass auch die leisen Töne ihren Platz haben.

In der Sendung gab es von der Jury null Punkte. Wie hast du diesen Moment live im Studio wahrgenommen? Was ist dir in diesem Augenblick durch den Kopf gegangen?
Klar, im ersten Moment schluckt man. Man macht sich ja irgendwie nackig mit so einem persönlichen Text, und wenn dann die Null aufleuchtet, denkt man kurz: Okay, war vielleicht doch zu ruhig für dieses Format. Im Studio war die Stimmung danach auch kurz richtig angespannt. Aber ganz ehrlich: Ich stand dort und hab den Song genauso gespielt, wie ich ihn gefühlt habe. Ich bin da mit mir im Reinen. Es ist halt kein typischer Jury Song, sondern einer fürs echte Leben.

Trotz des Ergebnisses der Jury geht der Song aktuell regelrecht durch die Decke und erreichte unter anderem Platz 2 der iTunes Charts. Hast du mit einem derartigen Erfolg gerechnet? Wie erklärst du dir diese starke Resonanz?
Nie im Leben. Dass der Song dann plötzlich auf der Zwei und kurz sogar auf der Eins stand, Kopf an Kopf mit Cosmó, war total irre. Das ist für mich eigentlich die schönste Bestätigung, die es gibt. Die Jury gibt Punkte, aber die Leute draußen entscheiden, was sie in ihren Playlists hören wollen. Ich glaube, man spürt einfach, dass das kein Fließband gebauter Popsong ist. Er ist aus einem echten Schmerz entstanden, und da finden sich anscheinend wahnsinnig viel Menschen wieder.
Du schreibst deine Songs selbst. Welche Bedeutung hat es für dich als Künstler, deine Texte und Melodien eigenständig zu entwickeln?
Das ist für mich der absolute Kern. Ich will Geschichten erzählen, die ich selbst erlebt habe. Normalerweise hat das was extrem Befreiendes, wenn ich mir das alleine von der Seele schreibe. Aber bei diesem Song war das Besondere, dass wir drei komplett auf derselben Frequenz waren. Ich habe mich einfach gefühlt, als könnte ich drauflos erzählen, und das Erzählte wurde dann wie von selbst zu einem Song. Wenn dir jemand einen fertigen Text hinlegt, kann das handwerklich super sein, aber es ist halt nicht mein Leben. Echte Gefühle kannst du nicht fälschen, die hören die Leute am Ende immer raus.

Neben „Wenn ich rauche“, an welchen weiteren Songs arbeitest du aktuell oder welche Projekte liegen dir am Herzen?
Ich schreibe ja immer über das, was gerade da ist und verarbeitet werden muss. Aktuell bin ich thematisch noch sehr in dieser Phase, wo man versucht, Dinge festzuhalten, die einem eigentlich gerade durch die Finger rinnen. Wenn man etwas verliert, das einem viel bedeutet hat, macht das extrem viel mit einem, genau darum wird es als Nächstes gehen. Aber das Leben geht weiter, und wer mich kennt, weiß: Ich bin grundsätzlich ein lebensfroher Mensch. Wenn die Tage wieder heller werden, wird man das auch in meiner Musik hören. Es werden also langfristig definitiv auch wieder Tracks kommen, die nach vorne gehen und positiv sind.
Wie reagieren deine Fans auf „Wenn ich rauche“? Welche Rückmeldungen erreichen dich, sowohl online als auch persönlich?
Das Feedback haut mich echt um. Mir schreiben Leute auf Insta wahnsinnig persönliche Nachrichten über ihre eigenen Trennungen. Manche erzählen, dass sie den Song im Auto auf Repeat hören, weil er ihnen durch den Tag hilft. Das berührt mich extrem. Dass aus diesen null Punkten von der Jury am Ende so eine krasse, ehrliche Verbindung zu den Hörern entstanden ist, gibt mir unfassbar viel.

Welche musikalischen Ziele verfolgst du in den kommenden Monaten? Gibt es konkrete Pläne für ein Album, eine CD oder weitere Singles?
Wir nehmen den Schwung jetzt auf jeden Fall mit. Die nächste Single steht schon in den Startlöchern und schließt inhaltlich genau da an, wo wir gerade sind. Und das große Ziel für die nächste Zeit ist ganz klar ein Album und die ersten Konzerte. Die Leute können sich darauf einstellen, dass da noch einiges an echten, ungeschönten Geschichten kommt, von den tiefen Momenten bis hin zu den guten Tagen.
STORI bedankt sich für das sehr interessante Interview und wünscht Sidrit alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft.
